Schweiz

Mit Instagram Geld verdienen in der Schweiz: Regeln, Steuern und Honorare

Verdienen funktioniert in der Schweiz wie überall. Das Drumherum nicht: eigene Steuerregeln, eine eigene Mehrwertsteuer-Grenze, ein kleiner Markt und Honorare, die häufig in fremder Währung hereinkommen. Hier steht, worauf du achten musst — und wo du dich zwingend bei einer Amtsstelle rückversichern solltest.

Wichtig vorweg: Dieser Text ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Steuern sind in der Schweiz teils kantonal geregelt, und Grenzwerte ändern sich. Nutze diesen Beitrag, um zu wissen, welche Fragen du stellen musst — die Antworten holst du dir bei deiner Ausgleichskasse, deinem Steueramt oder einer Treuhandstelle.

Was in der Schweiz anders läuft

Die Plattform ist dieselbe. Instagram macht keinen Unterschied zwischen einem Konto in Zürich und einem in Hamburg. Was sich unterscheidet, ist alles, was neben der App passiert.

Vier Punkte fallen im Alltag am stärksten auf:

  • Der Markt ist klein. Rund neun Millionen Menschen, verteilt auf mehrere Sprachregionen. Ein Konto auf Deutsch erreicht nur einen Teil des Landes. Viele Schweizer Creators zielen deshalb bewusst auf den gesamten deutschsprachigen Raum.
  • Die Kaufkraft ist hoch. Weniger Publikum, aber ein Publikum, das mehr ausgeben kann. Für Nischen mit teuren Produkten ist das ein Vorteil.
  • Die Regeln sind eigene Regeln. Die Schweiz ist nicht in der EU. Was du in deutschen Ratgebern über Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder das Reverse-Charge-Verfahren (Umkehr der Steuerschuld auf den Empfänger) liest, gilt hier nicht eins zu eins.
  • Zuständig ist oft der Kanton. Steuersätze und teilweise auch Abläufe unterscheiden sich zwischen Zürich, Bern oder dem Tessin. Eine pauschale Antwort für die ganze Schweiz gibt es bei Steuerfragen selten.

Der Einstieg selbst unterscheidet sich dagegen kaum. Wenn du noch am Anfang stehst, ist die Reihenfolge dieselbe wie überall: erst ein Konto mit klarem Thema, dann Menschen, die regelmässig zusehen, dann Geld. Wir haben das im Hauptbeitrag Mit Instagram Geld verdienen ausführlich aufgeschrieben, und die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt in Ab wann kann man mit Instagram Geld verdienen.

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Anmeldung, Steuern und Mehrwertsteuer

Hier ist der Teil, bei dem die meisten Fehler passieren — meist aus Unwissen, nicht aus Absicht.

Einkommen gehört in die Steuererklärung

Alles, was du über Instagram einnimmst, ist steuerbares Einkommen. Das gilt für Honorare, Provisionen aus Affiliate-Links (Empfehlungslinks, bei denen du einen Anteil am Verkauf bekommst) und ebenso für Sachleistungen. Ein Hotelaufenthalt gegen Beiträge ist kein Geschenk, sondern eine Gegenleistung mit einem Wert. Trag ihn ein.

Selbstständig erwerbend: ab wann?

Wenn deine Tätigkeit regelmässig, planmässig und auf Dauer angelegt ist, giltst du als selbstständig erwerbend. Dann meldest du dich bei der AHV-Ausgleichskasse (die Stelle, die Sozialversicherungsbeiträge einzieht) deines Kantons an und zahlst dort Beiträge. Ob deine Nebentätigkeit diese Schwelle schon erreicht, entscheidet die Kasse — nicht du und nicht ein Blogbeitrag. Ein Anruf dort kostet nichts und erspart dir später eine Nachforderung.

Mehrwertsteuer

Mehrwertsteuerpflichtig wirst du erst ab einem bestimmten Jahresumsatz. Die Schweiz hat dafür eine eigene Grenze, und sie ist nicht identisch mit der deutschen Kleinunternehmergrenze. Weil solche Beträge angepasst werden, nennen wir hier keine Zahl: Sieh den aktuellen Wert bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung nach, bevor du deine erste grössere Rechnung stellst.

Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: Wenn deine Kundin eine Firma im Ausland ist, gelten eigene Regeln dazu, wo die Leistung als erbracht gilt. Das ist der klassische Fall bei einer deutschen Agentur, die eine Schweizer Creatorin bucht. Kläre das einmal sauber ab, dann gilt die Antwort für alle folgenden Aufträge.

Was du selbst tun kannst

  1. Getrenntes Konto. Alle Einnahmen und Ausgaben rund um Instagram laufen über ein eigenes Bankkonto. Das ersetzt keine Buchhaltung, macht sie aber um ein Vielfaches einfacher.
  2. Belege ab Tag eins. Kamera, Licht, Bearbeitungsprogramme, Reisekosten, Anteil an Handy und Internet — sammle die Belege, auch wenn du noch nichts verdienst.
  3. Rücklage bilden. Leg von jeder Einnahme einen festen Anteil beiseite. Die Steuer kommt später, aber sie kommt.
  4. Sachleistungen bewerten. Notiere bei jedem Produkt, das du geschenkt bekommst, den Marktwert und das Datum.

Wie das in Deutschland und Österreich geregelt ist, steht in unserem Beitrag zu Steuern für Influencer und in Ab wann Influencer Steuern zahlen. Die Grundlogik ist ähnlich, die Zahlen und Behörden sind es nicht.

Kennzeichnung von Werbung

Die Grundregel ist überall dieselbe: Wer für einen Beitrag bezahlt wird oder eine Gegenleistung erhält, muss das kenntlich machen. Publikum darf nie im Zweifel sein, ob es gerade eine Meinung oder eine Werbung liest.

Praktisch heisst das in der Schweiz dasselbe wie im Rest des deutschsprachigen Raums:

  • Klares Wort, ganz vorne. Werbung oder Anzeige am Anfang der Bildunterschrift, nicht am Ende hinter zwanzig Hashtags.
  • Auch bei Sachleistungen. Ein kostenloses Produkt ist eine Gegenleistung. Es ändert nichts, dass kein Geld geflossen ist.
  • Die Instagram-Funktion zusätzlich nutzen. Die Markierung für bezahlte Partnerschaften ist eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für das Wort im Text.
  • Auch in Stories und Reels. Dort muss der Hinweis lesbar sein, ohne dass jemand pausieren muss.
  • Nicht auf Englisch verstecken. Ein ad oder sponsored irgendwo in der Mitte reicht nicht.

Weil viele Schweizer Konten Publikum in Deutschland und Österreich haben, ist der sicherste Weg, sich an die jeweils strengste Auslegung zu halten. Mehr dazu in Werbung auf Instagram kennzeichnen.

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Welche Honorare im Schweizer Markt üblich sind

Hier müssen wir ehrlich sein: Es gibt keine belastbare, öffentlich geprüfte Statistik zu Schweizer Creator-Honoraren. Zahlen, die in Ratgebern kursieren, stammen meist aus kleinen Umfragen oder aus dem Verkaufsinteresse einer Agentur. Wir nennen deshalb keine Beträge, die wir nicht belegen können.

Was du stattdessen tun kannst, ist deinen Preis von unten aufbauen. Rechne durch, was ein Auftrag dich tatsächlich kostet:

PostenWas du dabei ansetzt
Konzept und AbstimmungStunden bis zur freigegebenen Idee
ProduktionDreh, Fotos, Anfahrt, Requisiten
NachbearbeitungSchnitt, Untertitel, Korrekturschleifen
NutzungsrechteDarf die Marke dein Material selbst schalten? Wie lange?
ExklusivitätSperrfrist für Mitbewerber kostet extra
Steuern und Sozialabgabender Anteil, der nie bei dir bleibt

Der Posten Nutzungsrechte wird am häufigsten verschenkt. Ein Reel, das die Marke anschliessend monatelang als bezahlte Anzeige schaltet, ist etwas ganz anderes als ein Beitrag, der nach drei Tagen im Feed verschwindet. Halte das schriftlich fest, bevor du drehst.

Und weil die Frage sicher kommt: Deine Followerzahl allein bestimmt den Preis nicht. Marken schauen zunehmend darauf, wie viele Menschen wirklich reagieren. Wie du das ausrechnest, steht in Engagement-Rate berechnen. Ein kleines Konto mit aktiven Profilen kann für eine Nischenmarke wertvoller sein als ein grosses ohne Resonanz.

Bezahlung aus dem Ausland annehmen

Ein grosser Teil der Aufträge kommt aus Deutschland oder von internationalen Marken. Damit entstehen drei praktische Fragen.

Währung. Rechnungen kommen oft in Euro oder Dollar. Der Kurs schwankt, und die Umrechnung deiner Bank kostet meist mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Kläre vorher, in welcher Währung abgerechnet wird und wer die Gebühren trägt.

Zahlungsweg. Eine normale Banküberweisung ist am günstigsten, wenn beide Seiten die Angaben richtig ausfüllen. Zahlungsdienste sind bequemer, nehmen aber bei Fremdwährung oft einen spürbaren Aufschlag. Für wiederkehrende Kunden lohnt sich ein Konto, das mehrere Währungen halten kann.

Rechnung. Auf eine Rechnung ins Ausland gehören dein voller Name und deine Adresse, Rechnungsnummer und Datum, eine klare Leistungsbeschreibung, der Betrag mit Währung und — falls du mehrwertsteuerpflichtig bist — der korrekte Hinweis zur Steuer. Frag beim ersten Auslandsauftrag einmal eine Fachperson, wie deine Standardrechnung aussehen soll. Danach kopierst du sie nur noch.

Ein letzter Hinweis, der nichts mit Behörden zu tun hat: Warte mit dem Geldverdienen nicht auf eine bestimmte Followerzahl, aber bau die Reichweite bewusst auf, statt sie dem Zufall zu überlassen. Was dabei wirklich hilft, steht in Instagram Reichweite erhöhen.

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Häufige Fragen

Kann man in der Schweiz mit Instagram Geld verdienen?

Ja. Kooperationen, Affiliate-Links (Empfehlungslinks mit Provision), eigene Produkte und Dienstleistungen funktionieren in der Schweiz genauso wie anderswo. Der Unterschied liegt nicht im Verdienen, sondern im Drumherum: eigene Steuerregeln pro Kanton, eine eigene Mehrwertsteuer-Grenze und Zahlungen, die oft in Euro oder Dollar hereinkommen.

Ab wann muss ich mein Instagram-Einkommen anmelden?

Grundsätzlich ab dem ersten Franken. Einkommen aus Nebenerwerb gehört in die Steuererklärung, auch wenn es klein ist. Eine getrennte Anmeldung als selbstständig erwerbend bei der AHV-Ausgleichskasse wird nötig, sobald die Tätigkeit regelmässig und auf Dauer angelegt ist. Wo genau deine Grenze liegt, sagt dir die Ausgleichskasse deines Kantons — verlass dich dabei nicht auf einen Ratgeber, auch nicht auf diesen.

Muss ich Mehrwertsteuer verlangen?

Erst ab einer bestimmten Jahresumsatz-Grenze. Die Schweiz hat eine eigene Grenze, die von der deutschen Kleinunternehmerregelung abweicht, und sie wird gelegentlich angepasst. Prüfe den aktuellen Betrag bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung, bevor du eine Rechnung schreibst. Ein Sonderfall: Bei Leistungen an Firmen im Ausland gelten eigene Regeln zum Leistungsort.

Wie muss ich bezahlte Beiträge in der Schweiz kennzeichnen?

Werbung muss als solche erkennbar sein. Setze das Wort Werbung oder Anzeige an den Anfang der Bildunterschrift und nutze zusätzlich die Instagram-Funktion für bezahlte Partnerschaften. Verlass dich nicht allein auf ein Hashtag am Ende. Wer auch Publikum in Deutschland oder Österreich hat, hält sich am besten an die strengste der drei Auslegungen.

Wie viel kann ich als Schweizer Creator verlangen?

Dazu gibt es keine belastbare öffentliche Statistik, deshalb nennen wir hier keine Zahlen. Was du tun kannst: Rechne von deinem Aufwand her — Konzept, Dreh, Schnitt, Abstimmungsschleifen, Nutzungsrechte — und frage im direkten Austausch mit anderen Creators nach deren Erfahrungswerten. Der Schweizer Markt ist klein, viele Preise entstehen im Gespräch.

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